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Literaturhinweis
AN DER QUELLE
(Joh 4,1-42)  

Die Geschichte von der Begegnung Jesu mit einer Frau aus Samaria am Jakobsbrunnen gehört zu den Texten, die ich immer wieder besonders gern lese, weil ihr Reichtum nie ganz auszuschöpfen ist.
Jesus, auf dem Weg von Jerusalem nach Galiläa, setzt sich müde in der Mittagshitze an einen Brunnen. Da kommt eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen, und Jesus bittet sie, ihr zu trinken zu geben. So entwickelt sich ein längeres Gespräch, in dessen Verlauf sich die Rollen umkehren: Jetzt bittet Jesus nicht mehr um Wasser, sondern er selbst bietet der Frau lebendiges Wasser an.

Jan Joest, Samariterin am Brunnen, St. Nicolai, Kalkar Anfang 16. Jh.

Vielleicht haben wir das auch schon erlebt: Jemand bittet uns um Hilfe oder um einen kleinen Dienst, und wenn wir dazu bereit sind, erfahren wir uns selbst als die Beschenkten.
Was für eine große Bedeutung frisches trinkbares Wasser für die Menschen des Orients damals hatte und heute hat, können wir ahnen, wenn wir vom Leid der Flüchtlinge hören und sehen, die aus den umkämpften irakischen Städten kommen und zuallererst um Wasser bitten.
Die Frau kommt, um Wasser zu schöpfen, äußerlich gesehen, aber Jesus, der das Herz sieht, erkennt ihren Durst nach Leben. Er offenbart sich ihr und den Menschen aus ihrem Dorf als der Messias, als der Retter der Welt. Der Evangelist schildert ein alltägliches Geschehen, das sich plötzlich zu tieferen Dimensionen öffnet. Eine Frau geht an den Brunnen, sie sucht Wasser zum Trinken und Kochen, und sie findet die Quelle des Lebens.
Dieses Evangelium gehört zu den Texten, die in der Vorbereitungszeit auf die Taufe an Ostern gelesen werden. Die Taufe schenkt ja durch das Symbol des Wassers neues Leben mit Christus.
Schauen wir noch einmal auf die Frau und auf Jesus: Kam sie zufällig zu diesem Brunnen, an dem ebenso zufällig Jesus saß? Nachdem sie im Glauben erkannt hat, wer Jesus ist, weiß sie auch, daß er sie gesucht hat, noch bevor sie sich auf den Weg zum Brunnen machte. Dort durfte sie ihn finden und ihre Erfahrung an die Menschen ihrer Umgebung weitergeben.  

Jesus sucht alle Menschen, um ihnen bleibendes Leben in der Gemeinschaft mit Gott und miteinander zu schenken. Durch sein Sterben und Auferstehen vom Tod hat er die Quelle des Lebens erschlossen. Sie steht jetzt uns und allen für immer offen. Wir können uns jederzeit zu ihr auf den Weg machen.