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Literaturhinweis
"Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei"
Lk19,1-10

„Mike, komm schnell vom Baum runter, ich hab’ etwas für dich.“ Der Sechsjährige läßt sich nicht lange bitten. – Was ist aber, wenn ein reicher würdiger Zollinspektor im Baum sitzt und herunterkommen soll?
Ist das nicht lächerlich? Warum mußte er denn da hinaufklettern? Nun, er ist von geringer Körperlänge, und die Mitmenschen versperren ihm die Aussicht. Also steigt er auf einen Baum und betrachtet die Welt von oben. Er will vor allem den Wundertäter Jesus sehen und wartet. Wörtlich heißt es im Text: „Er suchte zu sehen, wer Jesus sei.“
Die ersten Leute gehen vorüber, dann kommt Jesus selbst. Zachäus stockt der Atem: Das ist er! – Jetzt wird Jesus seinen Weg fortsetzen.

Zachäus im Baum - Jesus im Haus des Zöllners, Perikopenbuch Heinrichs II., Anfang 11. Jh.

Aber es kommt anders. Zachäus hört: „Komm schnell herunter!“ – Habe ich richtig gehört? Jesus nennt meinen Namen und will etwas von mir? Die Leute lachen, wie der Zollinspektor umständlich herunterklettert. Und dann kommt noch eine Überraschung. Jesus sagt zu ihm: „Heute muß ich in deinem Haus zu Gast sein.“ Das ist eine große Ehre für den von allen gemiedenen Zollpächter.
Die Zöllner sind bei den Juden verachtet. Sie arbeiten mit der römischen Besatzungsmacht zusammen. Zöllner, Dirnen und Sünder gehören in die gleiche Kategorie. – Was tut der berühmte Rabbi, der ausgerechnet in sein Haus einkehren will?
Wir dürfen annehmen, daß Jesus und Zachäus nicht allein bleiben. Die Jünger des einen und die Kollegen des anderen bilden beim Essen eine gemischte Gesellschaft. Das ist nun wieder ärgerlich für die Leute. Sie empören sich, sie sind wütend: Bei einem Sünder ist er eingekehrt! Das ist ein Skandal!
Zachäus kümmert das alles nicht. Er ist glücklich. Diese Ehre – es ist kaum zu fassen!
Schließlich fragt er sich: Hat das etwa Konsequenzen für mich? In der Begegnung mit Jesus kommt ihm seine Gier nach Geld zu Bewußtsein. Er zögert nicht, er handelt sofort: „Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.“
Jesus wendet sich an die Zuschauer, die Zaungäste und sagt: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ 

Wer ist dieser Jesus? Das war die Frage, mit der Zachäus auf den Baum kletterte. Jetzt hört er die Antwort: Jesus ist der Retter, der Menschen in ihrer Verlorenheit sucht. Und ihn, den Kleinen und Verachteten, hat er schon gefunden.