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Sie warten...
Und schließlich: Sie finden.
Sie finden – wie zuvor schon die Hirten auf den Feldern in Bethlehem –
in dem Kind Jesus das von Gott verheißene Zeichen des Heiles.
Lukas beschreibt die zwei betagten Hauptfiguren mit tiefsinniger Symbolik:
Der greise Simeon wird mit den Attributen „gerecht“ und „fromm“
als Idealbild des alttestamentlichen Menschen gekennzeichnet. Und im
Hinweis auf die 84 Lebensjahre der Hanna sind zwei bedeutungsvolle Zahlen
verborgen: 84 ist das Produkt aus 12 x 7. Die Zahl des Zwölf-Stämme-Volkes
Israel verbindet sich mit der 7-Zahl der Vollendung. Die Chiffre steht für
Ganzheit und erfüllte Zeit.
Das lebenslange Harren auf Gottes Verheißung hat am Ende offenbar das
ganze Wesen der beiden Alten zur Erwartung werden lassen. Ihr Warten ist
zu purer Aufmerksamkeit geläutert, welche die Initiative in Gottes Hände
legt. So wird ihnen alles Geschehen durchsichtig für die Heilszeichen
Gottes. Sie vermögen den Ereignissen auf den Grund zu sehen und alle
Begegnungen bis zu jenem Punkt zu durchschauen, der ihnen Gottes Wirken
als deren innersten Sinn enthüllt. Genau dies macht das Wesen der
Prophetie aus. So finden und empfangen sie in dem kleinen Kind Jesus die
Antwort auf ihre Sehnsucht: den Messias Israels und den Retter der Welt.
Simeon und Hanna sind nicht als Individuen gezeichnet, sie sind Typen. In
ihnen kommt gleichsam die durch Jahrhunderte währende Erwartung des
biblischen Menschen, das unruhige Suchen und Hoffen Israels und der
Schrei: „Wie lange noch, Herr?“, der das Alte Testament durchtönt,
zur Ruhe und zum Ziel.
Die christliche Gemeinde hat den Lobpreis des Simeon zu ihrem Abendgebet
erwählt – auf daß sie am Abend jedes Tages, am Abend des Lebens und am
Abend der Welt ihren Blick und ihr Herz offen halte für eine größere
Erwartung:
Nun läßt DU, HERR, deinen Knecht,
wie DU gesagt hast, in Frieden scheiden,
denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das DU vor allen Völkern bereitet hast:
ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für DEIN Volk Israel.
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