das jahr der bibel "Suchen. Und finden." Eingang
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Literaturhinweis
... die auf die Erlösung Israels warten“
(Lk 2,22-40)  
Rembrandt, Simeon mit dem Christuskind im Tempel, 1669

Wie würden Sie gern sein, wenn Sie alt sind? Weise? Gelassen? Prophetisch? Gerecht und fromm?
Der Bibeltext des 2. Februar (Fest der „Darstellung des Herrn“), stellt zwei ungewöhnliche alte Menschen vor: den Greis Simeon und die 84jährige Prophetin Hanna. Die Erzählung über sie steht im zweiten Kapitel des Lukas-Evangeliums. Es ist die letzte der Geschichten, die um die Geburt Jesu kreisen.

Den beiden ehrwürdigen Gestalten ist etwas gemeinsam:


Sie warten... Und schließlich: Sie finden. Sie finden – wie zuvor schon die Hirten auf den Feldern in Bethlehem – in dem Kind Jesus das von Gott verheißene Zeichen des Heiles.
Lukas beschreibt die zwei betagten Hauptfiguren mit tiefsinniger Symbolik: Der greise Simeon wird mit den Attributen „gerecht“ und „fromm“ als Idealbild des alttestamentlichen Menschen gekennzeichnet. Und im Hinweis auf die 84 Lebensjahre der Hanna sind zwei bedeutungsvolle Zahlen verborgen: 84 ist das Produkt aus 12 x 7. Die Zahl des Zwölf-Stämme-Volkes Israel verbindet sich mit der 7-Zahl der Vollendung. Die Chiffre steht für Ganzheit und erfüllte Zeit.
Das lebenslange Harren auf Gottes Verheißung hat am Ende offenbar das ganze Wesen der beiden Alten zur Erwartung werden lassen. Ihr Warten ist zu purer Aufmerksamkeit geläutert, welche die Initiative in Gottes Hände legt. So wird ihnen alles Geschehen durchsichtig für die Heilszeichen Gottes. Sie vermögen den Ereignissen auf den Grund zu sehen und alle Begegnungen bis zu jenem Punkt zu durchschauen, der ihnen Gottes Wirken als deren innersten Sinn enthüllt. Genau dies macht das Wesen der Prophetie aus. So finden und empfangen sie in dem kleinen Kind Jesus die Antwort auf ihre Sehnsucht: den Messias Israels und den Retter der Welt.
Simeon und Hanna sind nicht als Individuen gezeichnet, sie sind Typen. In ihnen kommt gleichsam die durch Jahrhunderte währende Erwartung des biblischen Menschen, das unruhige Suchen und Hoffen Israels und der Schrei: „Wie lange noch, Herr?“, der das Alte Testament durchtönt, zur Ruhe und zum Ziel.

Die christliche Gemeinde hat den Lobpreis des Simeon zu ihrem Abendgebet erwählt – auf daß sie am Abend jedes Tages, am Abend des Lebens und am Abend der Welt ihren Blick und ihr Herz offen halte für eine größere Erwartung:
Nun läßt DU, HERR, deinen Knecht,
wie DU gesagt hast, in Frieden scheiden,
denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das DU vor allen Völkern bereitet hast:
ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für DEIN Volk Israel.