das jahr der bibel "Suchen. Und finden." Eingang
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Literaturhinweis
Die eine Perle
Mt 13,45-46

Suchen und Suchen ist nicht dasselbe. Da gibt sich jemand nach einigen Anläufen zufrieden. Vielleicht findet  er etwas, das zwar nicht genau seinen Vorstellungen entspricht, aber es genügt erst einmal. Andere setzen mehr ein. Sie gönnen sich keine Ruhe. Sie scheuen weder Kosten noch Mühen. Sie nehmen Unannehmlichkeiten in Kauf und begeben sich auf weite Reisen, nur um dieses eine Gesuchte zu finden. – Lohnt sich das denn?
Wie stehen wir zu Menschen, die konsequent und unbeirrbar ihr Ziel verfolgen? Sind es Fanatiker, Psychopaten? Je nachdem, was der Gegenstand ihrer Suche ist, bewundern wir sie oder schütteln den Kopf, halten sie für Narren.

Christiane Winkler OSB, Christus als Narr

– Wofür lohnt es sich, das Leben einzusetzen?
Das Matthäusevangelium erzählt von einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte: „Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß und kaufte sie.“ (Mt 13,45-46)
Welcher Kaufmann tut so etwas? Geht er nicht ein unwägbares Risiko ein, wenn er alles für eine einzige Perle gibt? Ist sie es wirklich wert? Wird er den Handel nicht später bereuen?
Das Evangelium sagt: So wie dieser Kaufmann, ist das Himmelreich. Matthäus, der für Christen schreibt, die aus dem Judentum stammen, verwendet einen Begriff, der die Königsherrschaft Gottes bezeichnet. „Himmel“  steht hier für den Namen Gottes, den die Juden aus Ehrfurcht nicht aussprechen. Jetzt erkennen wir: Gott ist auf der Suche nach einer Perle, die ihm unendlich kostbar ist – nach uns Menschen. Er sendet seinen Sohn in die Welt, der die Menschen einlädt in die Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater.
Die Schriften des Neuen Testaments, besonders die Evan-gelien, erzählen und die Geschichte dieser Suche. Und vielleicht mutet sie uns wirklich an, wie die eines Narren: Jesus kommt aus der Herrlichkeit Gottes in die Welt als Mensch unter Menschen. Er ist wie wir, er ist „der Sohn des Zimmermanns“. Wie kommt er dazu, in der Öffentlichkeit zu predigen? Woher stammen seine Heilungskräfte? Die Menschen laufen ihm in Scharen nach – und seine Familie sagt: „Er ist von Sinnen“ (Mk 3,21). Bald wendet sich das Blatt: Man stößt sich an seinen Worten. Viele Jünger verlassen ihn, denn „was er sagt, ist unerträglich“ (Joh 6,60). Am Ende wird ihm der Prozeß gemacht, und seine Bewacher treiben ihren Spott mit diesem Narren, der von sich sagt, daß er ein König ist. (Vgl. Joh 18,37; 19,2-3) Als er am Kreuz hängt, ist es klar: Dieser Jesus ist auf der ganzen Linie gescheitert. Er trat als der Gottgesandte auf, der die Menschen suchte, nun ist er von allen verlassen, und er hat überhaupt nichts vorzuweisen.
Aber das Kreuz ist die Torheit Gottes, mit der er die Welt erlöst. (Vgl. 1Kor 1,18-25) Es ist die Torheit der Liebe, die nicht rechnet, die alles für den geliebten Menschen gibt.
Der Narr hat die Perle gefunden und mit seinem eigenen Blut erkauft. Er hält sie uns entgegen: So kostbar bist du mir. Er bietet sie dem Vater dar: Hier ist dein geliebtes Kind.