das jahr der bibel "Suchen. Und finden." Eingang
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Literaturhinweis
6. Januar 
"Wir haben seinen Stern gesehen
"
(Mt 2,2)
"Die drei Könige folgen dem Stern", Albani-Kodex Hildesheim, 1123-1135

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von den Heiligen Drei Königen, die – von einem wunderbaren Stern geführt – aus dem fernen Orient nach Bethlehem kommen, um dem neugeborenen Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe zu schenken? Sie ist aufgeschrieben im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums und wird am Epiphaniefest gelesen, das die meisten christlichen Kirchen am 6. Januar feiern. Das Wort „Epiphanie“ bedeutet Erscheinung einer Gottheit oder eines Königs und meint im christlichen Sprachgebrauch das Kommen Gottes in Jesus Christus zu uns Menschen.

Er kommt in unsere von ihm geschaffene Welt. Aber welche Verbindung hat dies zu den Drei Königen? Wer die Geschichte kennt oder sie nachliest, merkt, daß da gar nicht von Königen die Rede ist, auch die genaue Zahl findet sich nicht, sie wurde erst später aus der Dreizahl der Geschenke geschlossen. Magier aus dem Osten, dem nicht genau bestimmten Herkunftsland von Astrologie und religiöser Weisheit, suchen das Königskind Jesus. In ihnen konnte ein Leser der damaligen Zeit die Bildungselite der Heidenwelt entdecken, der Welt, die den jüdisch-christlichen Gott, den Vater des Herrn Jesus Christus, bisher nicht kannte. Die Magier werden auf ihn hingewiesen durch einen geheimnisvollen Stern, der ihre Suche begleitet und sie dann auch genau zu dem Haus führt, in dem sich das Jesuskind befindet. In diesem Stern zeigt sich die Führung Gottes, er kann ein Sinnbild dafür sein, wie menschliches Suchen, menschliche Weisheit und sogar die Sprache des Kosmos uns letztlich zum Ziel – nämlich zu Gott – hinführen können. Aber sehen wir noch einmal genau auf die Magier und ihr Tun: Was geschieht, als sie am Ende ihres Weges angelangt sind? Sie selbst bekommen nichts, was sie später zu Hause vorzeigen könnten, sondern sie fallen vor dem Kind nieder und bringen ihm ihre kostbaren Geschenke dar, so heißt es im biblischen Text – und doch wissen wir, daß ihr Suchen zum Ziel geführt hat.
Vielleicht können auch wir uns in diesen Magiern entdecken, die etwas suchen, das viel größer ist als sie selbst, dem sie sich in ihren Gaben ganz hinschenken und anvertrauen können. Aber wie finden wir den Weg zu diesem einzig lohnenden Ziel? Oder sind wir vielleicht schon einfach durch unser zeitlich begrenztes Leben mit seinen täglichen Aufgaben auf den Weg gestellt, ohne es zu wissen? „Seltsam: wir dürfen sein, wonach wir vergeblich uns sehnen. ... Hingabe möchten wir – und sind schon hingegeben. Wir suchen den, dem wir uns schenken könnten – und sind schon längst genommen“, so formulierte es H. U. von Balthasar, ein großer Theologe des 20. Jahrhunderts.
Schauen wir zurück auf den Stern, der die Magier zum Aufbruch trieb und auf dem Weg führte, dann erkennen wir: Nicht die Magier sind die zuerst Suchenden, sondern sie brechen auf, weil Gott sie zuerst gesucht und gefunden hat. Und nachdem sie das Jesuskind gesehen und verehrt haben, kehren sie in ihre Heimat zurück, jedoch „auf einem anderen Weg“, also als neue, verwandelte Menschen. Vielleicht leuchtet auch für uns von Zeit zu Zeit dieser Stern, der vorausweist auf das endgültige Ziel. Oder könnten etwa wir sogar selbst solch ein Stern sein?