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Wir
finden uns wieder in der Spannung von gegenteiligen Aussagen. So erfahren
wir unser Leben.
Auch unter den Psalmen gibt es solche Lieder. Psalm 119 zählt für mich
dazu. Das ist auf den ersten Blick vielleicht nicht so einsichtig, weil
das Wort Liebe nicht direkt zu finden ist.
Die Liebe zum Du hat sich hier ausgedrückt in der Wiederholung von
"Gebot", "Weisung", "Gesetz",
"Vorschrift" und "Wort". Als liebenswert und kostbar
werden sie gepriesen. Immer geht es dabei um eine personale Beziehung. Das
Wort, das mich anspricht, das mich trifft, das von einem Du zu mir kommt,
das ist meine ganze Freude, und aus dieser Beglückung erwächst die
Antwort, das Ja zu diesem Du. Dann wird das empfangene, erlauschte Wort zu
einer Weisung, die mich leben läßt in Freude. Das Gebot hilft mir,
Irrwege zu vermeiden. Das Gesetz erläutert die Grenzen, die für die
Freiheit wichtig sind. Der Psalm erhält einen eigenen Klang, wenn man
anstelle von Gesetz oder Weisung das Wort "Liebe" einsetzt.
Die Gleichsetzung von Gebot und Liebe finden wir ausdrücklich im 15.
Kapitel des Johannesevangeliums in den Worten Jesu: "Das ist mein
Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe." Und die
Auswirkungen der Liebe beschreibt das 13. Kapitel im 1. Korintherbrief.
Beim Bemühen, wirklich und tief zu lieben, werde ich immer empfindsamer für
die Antwort, die Haltung, die von mir erwartet wird, und nehme auch wahr,
wenn ich versagt habe.
Die Zusage Gottes, daß sein Wort zu mir ein Ja ist, läßt mich immer neu
nach diesem Wort fragen, je neu nach dem Du suchen, dem ich das Ja zurückgeben
kann.
Wenn ich im Psalm singe: "Ich suche dich von ganzem Herzen", dann darf ich Gottes Antwort hören: Du findest
mich in meinem Wort - in Jesus Christus, meinem Sohn, der dein Bruder
geworden ist.
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