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Er muß geschützt und immer neu errungen werden. Das Bild der
Friedenstaube, schon den Menschen der Antike vertraut, scheinbar
abgegriffen und oft mißbraucht, stellt uns dies vor Augen. In der Bibel
erscheint sie zum ersten Mal in der Sintfluterzählung. Die Menschen in
der rettenden Arche schicken eine Taube hinaus in die vom Wasser
verwüstete Welt. Zunächst findet sie nichts, woran sie sich halten kann,
und kehrt deshalb in die Arche zurück. Die Menschen geben nicht auf, sie
sind voller Hoffnung und schicken die Taube ein zweites Mal hinaus.
Diesmal bringt sie einen frischen Olivenzweig von ihrem Erkundungsflug
mit. Er ist denen in der Arche ein Zeichen, daß im Chaos Neues gewachsen
ist. Von der dritten Aussendung kehrt die Taube nicht mehr zurück. Das
Zeichen hat nicht getrogen: Die Erde ist für Tiere und Menschen wieder
bewohnbar. Gott hat mit seiner Schöpfung einen neuen Anfang gemacht. Für
den neuen Frieden zwischen Gott und Menschen gab der grüne Ölzweig,
gefunden nach unbeirrbarer Suche, das Signal.
Die Erfahrung, daß der Friede gesucht werden muß, drückt der Beter im
Psalm 34 mit den Worten aus: "Suche Frieden, und jage ihm nach."
Warum dieser Einsatz mit allen Kräften? Der Psalm leitet die Aufforderung
mit einer Begründung ein, die eine Einladung ausspricht: „Wer ist der
Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?“ Das ist
auch unsere Erfahrung – gutes Leben gelingt nicht ohne Frieden. Wo
Streit, Neid und Ungerechtigkeit herrschen, kann das Leben mit seinen
vielen Chancen sich nicht entfalten.
Es gibt Situationen, die Frieden unter Menschen unmöglich erscheinen
lassen, in unserem begrenzten Alltag und in den großen Dimensionen der
Weltpolitik. Manchmal fragen wir uns dann: Laufen nicht alle unsere Bemühungen
ins Leere? Wer kann, wer wird hier Frieden bringen?
In unserem Kulturraum steht jeder Jahresanfang unter dem Eindruck des
Weihnachtsfestes. Sein Symbol ist das Kind in der Krippe. Wir feiern die
Geburt Jesu, des von Gott gesandten Erlösers. Für uns Christen ist mit
seinem Kommen die Sehnsucht Israels und aller Völker nach Heil und
Frieden erfüllt. In den liturgischen Texten wird er mit den Worten des
Propheten Jesaja als der Fürst des Friedens besungen.
Die Krippe ist weniger ein Bild friedvoller Idylle als viel mehr ein
Vorauszeichen für den Weg des Kindes, das darin liegt. Jesus ist der
Messias, der mit wehrloser Liebe um die Herzen der Menschen wirbt. Seine
Liebe ist die des himmlischen Vaters, mit dem er immer verbunden ist. Sie
kostet ihn alle Kräfte seines Lebens und bringt ihn schließlich ans
Kreuz. Aber sie ist stärker als der Haß der Menschen und als der Tod. -
Gott hat Christus von den Toten auferweckt, so lautet das urchristliche
Bekenntnis. Er hat ihn zum Herrn über Himmel und Erde und alle Mächte
eingesetzt.
Das Geschenk des Auferstandenen an seine Jünger ist der Friede, ein
Friede, wie ihn die Welt nicht geben kann. Es ist der Friede, den die
Engel bei seiner Geburt den Hirten verkündeten: „Verherrlicht ist Gott
in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“
Mit dieser Zusage können wir das neue Jahr in Dankbarkeit annehmen und
mit Gottes Segen jeden seiner Tage bestehen.
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