Halte dich an Gott!

Lectio divina zu Sir 15,15-20
Erste Lesung am
Sechsten Sonntag im Jahreskreis

15 Wenn du willst, wirst du die Gebote bewahren und die Treue, um wohlgefällig zu handeln. 16 Er hat dir Feuer und Wasser vorgelegt, was immer du erstrebst, danach wirst du deine Hand ausstrecken. 17 Vor den Menschen liegen Leben und Tod, was immer ihm gefällt, wird ihm gegeben. 18 Denn groß ist die Weisheit des Herrn, stark an Kraft ist er und sieht alles. 19 Seine Augen sind auf denen, die ihn fürchten, und er kennt jede Tat des Menschen. 20 Keinem befahl er, gottlos zu sein, und er erlaubte keinem zu sündigen.

Was sagt der Text?
– V 15-17: Der Mensch hat Verantwortung für sein Schicksal. Er hat die Wahl. Er kann tun, was Gott wohlgefällig ist. Dafür sind ihm die Gebote gegeben. Oder erlebt nach seinem eigenen Geschmack und tut, „was immer ihm gefällt“. Beides ist wie „Feuer und Wasser“, und entscheidet zwischen Leben und Tod.
V 18-20: Dem Herrn ist das Schicksal der Menschen nicht egal. Er hat die Gebote deshalb gegeben, damit sie die richtige Wahl treffen können. Es ist sein Wille, daß sie sich für das Leben entscheiden. 
– Feuer und Wasser, Leben und Tod sind extreme Gegensätze. Das entspricht dem Widerspruch zwischen dem Bewahren der Gebote und der Treue am Anfang und der Gottlosigkeit und Sünde am Ende.
– Wie das Leben gelingen kann, ist eins der wichtigen Themen in der Weisheitsliteratur. Der Text faßt kurz und prägnant zusammen, was dafür wichtig, was dafür entscheidend ist.

Was sagt der Text mir?
Ich habe die Freiheit und stehe in der Verantwortung vor Gott und für mein eigenes Leben. Das ist eine große Sache, gewichtig – zu schwer? Da drängt sich die Frage auf: Was soll ich tun? Was kann denn ich schon tun?
Alles, was ich hier lese, verdichtet sich: Halte dich an Gott!
Und ja, das muß Gestalt bekommen. Ein weites Feld tut sich auf. Es kann nicht darum gehen, alles zu schaffen. Man kann die Weisung des Herrn nicht irgendwann abhaken. Vielmehr ist sie der Maßstab für mein konkretes Verhalten und Handeln. Also wäre es gut, zu üben: Der Herr sieht auf mich. Sein Blick ist liebevoll, denn er will, daß ich lebe. Was sieht er gerade jetzt bei mir?

Was antworte ich dem Herrn?
Herr und Gott, durch alle Zeiten haben Menschen dir gedankt, daß du mit ihnen auf dem Weg bist. Du zeigst in deinem Wort und in deinen Geboten, wie wir das Leben gewinnen können. Mach uns bereit, immer mehr auf dich zu hören. Und schenke uns Freude daran, das Gute zu tun. Dann geht es nicht nur uns gut. Dann kann sich dein Reich ausbreiten und deine Liebe die Menschen erreichen.

Wie kann ich heute mit dem Text weitergehen?
– Ich kann heute der Bibel einen besonderen Platz in meiner Wohnung geben, so daß sie mir immer wieder in den Blick kommt.
– Ich kann heute in den Himmel schauen: Gott schaut auf mich mit einem guten Blick.
– Ich kann heute kleine Entscheidungssituationen wahrnehmen: Wo habe ich die Gelegenheit, eine Wahl zu treffen?