Volle Kraft voraus!


Lectio divina Mt 10,37-42

Evangelium am 13. Sonntag im Jahreskreis

37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. 38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. 39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. 40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. 41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. 42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Was sagt der Text?
– Was wir hier hören / lesen, sind Worte, die Jesus an die Apostel richtet! Sie schließen an seine Ankündigung an, daß sie in Schwierigkeiten kommen werden, wenn sie in seinem Namen auftreten. So werden V 37 und 38 in ihrer Radikalität erträglich. Der Auftrag Jesu duldet keinen Aufschub und keine Kompromisse. Er ist es wert, daß man alles einsetzt.
– V 40-42 muntern auf: Es wird auch Unterstützung und Anerkennung für die Apostel geben. Wer ihnen hilft, wird „Lohn“ erhalten. Der Lohn des Propheten und der Lohn des Gerechten, entspricht sozusagen dem Einsatz der Helfenden. Am Ende des ganzen Kapitels 10, in dem es um die Aussendung der Zwölf geht, weitet sich in V 42 der Blick auf alle Jünger Jesu – die „Kleinen“. Hier bleibt der Lohn unbestimmt – aber er wird nicht „klein“ sein.
– In beiden Teilen gibt es eine Dreier-Struktur: Am Anfang das dreimal „ist meiner nicht wert“, am Ende der Lohn für die, die helfen.
– Zwischen beiden Teilen schließt V 39 ein Merksatz die Thematik der ersten Dreiersequenz ab: Die Verhältnisse werden umgekehrt: Leben gewinnen und Leben verlieren – mit oder ohne Jesus. V 40 eröffnet als Merksatz die zweite Dreiersequenz: Es ist Christus selbst, der in den Aposteln aufgenommen wird. Dafür gibt es Lohn.

Was sagt der Text mir?
– Die Kompromißlosigkeit von V 37 und 38 ist nicht zu übersehen. Nachfolge Jesu wird erfüllt in der Annahme des „eigenen Kreuzes“. Davon ist jedes Leben voll. Für Christen ist es verbunden mit dem Herrn und seinem Leiden. Es geht nicht darum, alles unter dem Mantel einer – vielleicht schrägen – Frömmigkeit zu ertragen. Jesu Worte sprechen direkt an: Was bin ich dir wert? Nicht das Leiden hat den Wert, sondern ER und meine Beziehung zu IHM.
– Der zweite Teil des Textes hebt den Wert derer hervor, die den Jüngern Jesu freundlich und hilfsbereit begegnen. Und das sind viele. Auch wenn in diesen Tagen die kraß angestiegenen und alarmierenden Kirchenaustrittszahlen Schlagzeilen machen – es gibt viele, die den Christen mit Sympathie, Achtung und Wohlwollen begegnen. Es gibt die nicht kirchlichen Menschen, die etwas von uns erwarten und uns etwas zutrauen. Wir sollten sie wahrnehmen, sie schätzen und dankbar sein, daß es sie gibt. Gott kümmert sich um sie.

Was antworte ich dem Herrn?
Jesus, du hast uns in deine Gemeinde berufen und machst uns Mut, dich als den Größten und Schönsten und Besten und Stärksten Herr sein zu lassen über unser ganzes Leben. Mach uns froh und frei in deiner Nachfolge, damit wir gute Überbringer deines Evangeliums sein können für alle Menschen, mit denen wir leben und die du durch uns erreichen willst.

Wie kann ich heute mit dem Text weitergehen?
– Ich kann heute langsam und achtsam einen Becher frisches Wasser trinken.
– Ich kann heute Menschen in den Blick nehmen, die „ein Kreuz“ zu tragen haben – wenn ich unterwegs bin oder im Denken an Bekannte oder in den Nachrichten Erwähnte.
– Ich kann heute in Leuten auf der Straße potentielle Helfer sehen und Gesten der Höflichkeit, freundliche Blicke sammeln.