„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“

Lectio divina zu Röm 13,11-14a
Zweite Lesung am Ersten Adventssonntag

11 Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe.

Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! 13 Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht!

14 Vielmehr zieht den Herrn Jesus Christus an.

Was sagt der Text?
– V 11-12 a ist eine Feststellung: So ist es.
12b-13 zieht die Schlußfolgerung: Das gute, das angemessene Verhalten wird dem gegenübergestellt, was nicht zum nahenden Tag paßt.
14 faßt das Vorangegangene zusammen und formuliert mit dem Bild vom Anziehen eines Kleids: Es kommt auf die enge Gemeinschaft mit Christus an.

– Der Abschnitt steht in einer ausführlichen Sammlung von Weisungen für das Leben in der Gemeinde von Rom, an die Paulus schreibt.

Was sagt der Text mir?
– „Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf.“
Das erinnert mich an den Prolog in der Benediktusregel:
„Stehen wir also endlich einmal auf! Die Schrift rüttelt uns wach.“
Endlich einmal – Wie oft habe ich schon angefangen! Advent ist auch so ein Anfang. Üben – Askese – heißt, daß man immer wieder anfängt, weil man oft auf der Strecke bleibt. Endlich einmal! Also heute!

– „Das Heil ist uns näher.“
Ich hoffe sehr, daß mit jedem Tag meines Lebens Gott mir näher kommt.
Nahekommen geht in zwei Richtungen. Ich kann auf meinem Platz bleiben und warten. Ich kann mich selbst in Bewegung setzen und auf das, was kommt, zugehen. Die Adventszeit ist eine Verbindung von beidem: Gott kommt, und ich bemühe mich, ihm wieder ein Stück näher zu kommen.
– Im Text geht es viel um Licht und Finsternis. Ich könnte in den kommenden Wochen üben, zu überprüfen, ob das, was ich tue, „ans Licht kann“ – oder ob ich es lieber verstecke.

Was antworte ich dem Herrn?
Herr Jesus, ich danke dir, daß du mir heute eine neue Chance gibst. Segne mich in meinem Bemühen, diese Zeit zu nutzen, daß du mir näherkommen kannst.
Schenke allen deinen Segen, die heute mit etwas Neuem anfangen.
Ich denke besonders an die Frauen und Männer, die heute den Synodalen Weg beginnen.

Wie kann ich heute mit dem Text weitergehen?
Es kommt darauf an, mit einem ganz konkreten Tun den Text (immer wieder) zu erinnern,
mit ihm in Verbindung zu bleiben.

– Ich kann meine Wahrnehmung darauf richten, wenn ich Licht ein- und ausschalte.
– Ich kann bewußt darauf schauen, wer oder was mir entgegenkommt.
– Ich kann mir heute Kleidungsstücke besonders achtsam anziehen.